Frist Prüfung Abwasserrohre läuft in Hamburg ab

Bußgeld droht: Frist zur Prüfung der Abwasserrohre läuft in Hamburg am 31.12. ab

Eigentümern älterer Häuser droht Ungemach: Zum 31.12.2020 läuft in Hamburg die Frist zur Überprüfung der Abwasserrohre ab. Bis zu diesem Datum müssen Eigentümer älterer Immobilien die Dichtigkeit ihrer Grundstücksentwässerungsanlage (sprich: Abwasserrohre) überprüfen bzw. in Auftrag gegeben haben. Falls sie dieser Pflicht nicht nachkommen, drohen Bußgelder. Die Hamburger Umweltbehörde hat zu dem Thema eine umfassende Informationsseite im Internet und einen einen Info-Flyer zur Verfügung gestellt. Hintergrund ist, dass Schätzungen zufolge 30-50% der auf privatem Grund errichteten Abwasseranlagen undicht sind und das Grundwasser bedrohen.

Besitzer von neueren Häuser können in der Regel zunächst aufatmen. Beim Bau des Hauses wurde vermutlich eine Dichtigkeitsprüfung der Entwässerungsanlage gemäß DIN EN 1610 durchgeführt. Dieser Nachweis ist typischerweise für 25 Jahre gültig. Das bedeutet, die Prüfung muss erst 25 Jahre später wiederholt werden. Eine Übersicht der Prüffristen wird von der Umweltbehörde zur Verfügung gestellt.

Was tun, wenn die Prüfung der Abwasserrohre Pflicht ist?

Die Dichtheitsprüfung der Grundstücksentwässerung darf ausschließlich von dafür zertifizierten Fachbetrieben durchgeführt werden. Eine Liste solcher Betriebe für Hamburg hat die Umweltbehörde veröffentlicht. Jedoch sind diese Betriebe aktuell stark ausgelastet und Grundstückseigentümer müssen lange auf Termine warten. Die Untersuchung erfolgt für häusliches Abwasser in der Regel mit einer fahrbaren Kamera. Der Nachweis muss anschließend mit Lageplan an die Umweltbehörde übermittelt werden (dichtheitsnachweise@bukea.hamburg.de). Die Kosten für die Untersuchung beginnen bei ca. 400-500 Euro für ein kleineres Einfamilienhaus und gehen in die Tausende für größere Mehrfamilienhäuser.

Was tun, wenn Schäden an den Rohren festgestellt werden?

Wird bei der Untersuchung ein Schaden an der Entwässerungsanlage festgestellt, sollte dieser unbedingt ordnungsgemäß durch die untersuchende Firma dokumentiert werden. Denn auf Basis dieser Dokumentation erfolgt anschließend die Planung der Instandsetzung. Dabei werden 3 Schadensklassen unterschieden. Für die Instandsetzung kommen je nach Schaden verschiedene Techniken zum Einsatz. Bei mittleren Schäden können Schlauch-Lining-Verfahren eingesetzt werden. Ein mit Kunstharz getränkter Schlauch wird dazu direkt in das beschädigte Rohr eingeführt. Sind die Leitungen jedoch stark beschädigt, müssen unter Umständen neue Leitungen verlegt werden. Solch eine Maßnahme kann leicht über 10.000 Euro kosten. Die Reparatur der Abwasseranlage darf übrigens ebenfalls nur durch zugelassene Fachbetriebe erfolgen. Eine Liste dieser Betriebe findet sich hier.

Was passiert, wenn ich die Nachweispflicht für die Prüfung ignoriere?

Die Umweltbehörde weist darauf hin, dass das Nichtbefolgen der Nachweispflicht als Ordnungswidrigkeit gilt, die mit einem Bußgeld geahndet werden kann. Die Behörde erklärt dazu: “Sollten über undichte Leitungen Stoffe in den Untergrund gelangen, die zu Boden- oder Grundwasserverunreinigungen führen, kann sich der Eigentümer durch die Verletzung seiner Pflichten sogar strafbar machen.” Gefahren für das Grundwasser drohen durch Fäkalien, Haushaltschemikalien sowie im wachsenden Maße durch vom Körper ausgeschiedene Arzneimittel. Auf Anfrage des Hamburger Abendblatts (Bericht vom 26.10.2019) erklärte die Behörde, bisher keine Bußgelder verhängt, sondern Eigentümer zunächst schriftlich zur Durchführung aufgefordert zu haben. Ob diese Kulanzregelung jedoch weiter gilt, ist offen. Das Abendblatt warnt außerdem: “Allerdings drohen bei Ignorieren der 25-Jahres-Fristen unangenehme Haftungsfragen, falls etwa durch ein defektes Abwasserrohr ein Schaden am Nachbargrundstück eintreten sollte.”

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Foto: DERO2084/istockphoto.com

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