Solaranlage Pflicht auf Dächern von Neubauten in Hamburg

In Hamburg werden Solaranlagen auf Dächern Pflicht

Ab 2023 müssen auf allen Neubauten inklusive Wohnhäusern in Hamburg Solaranlagen installiert werden. Zwei Jahre später gilt die Pflicht zusätzlich für alle Bestandsgebäude, bei denen das Dach grundliegend saniert wird. So hat es der Hamburger Senat Ende 2020 mit seiner Verordnung zum Hamburgischen Klimaschutzgesetz beschlossen. Außerdem müssen bereits ab Mitte 2021 beim Austausch von Heizungen 15% des Wärmeenergiebedarfs aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden, berichtet das Immobilien-Nachrichtenportal haufe.de.

Eine Ausnahme von der Pflicht zu den Solaranlagen gibt es laut haufe.de in der Hansestadt. Denn die Umweltbehörde habe für die Anlagen einen Amortisationszeitraum von 20 Jahren zugrunde gelegt. Wenn die Amortisation länger dauert, entfällt die Pflicht zum Bau der Anlage. Eine Baubefreiung soll es außerdem geben, wenn die Installation der Solaranlage technisch nicht möglich ist. Eine Mindestgröße für die Solaranlagen gibt die Rechtsverordnung laut haufe.de nicht vor.

Befreiung von der Installationspflicht bei mangelnder Amortisation

Auch im Bundesland Berlin soll die die Installation der Solardächer nach dem Willen der Landesregierung ab Anfang 2023 obligatorisch werden. Wie in Hamburg soll die Pflicht sowohl für Wohn- als auch Gewerbeimmobilien gelten. Betroffen wären auch Bestandsbauten im Fall grundlegender Dachsanierungen. Ausgenommen von der Pflicht sollen Garagen, Traglufthallen und Häuser mit weniger als 50 Quadratmeter Nutzfläche sein. Außerdem ist eine Härtefallregelung vorgesehen.

Die Zeitung B.Z. zitiert auf ihrer Webseite die Berliner Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne): “Berlin ist nicht der perfekte Standort für Wind-Energie. Der Schatz, den wir haben, sind die Dächer der Stadt.“ Die eigneten sich laut Pop bestens für Photovoltaik-Anlagen. Allerdings steigen damit auch die Baukosten. Wie die B-Z. weiter berichtet, rechnet Pop mit 2,9 Prozent Mehrkosten (im Durchschnitt 7.800 Euro) bei Einfamilienhäusern und 1 Prozent (20.000 Euro) bei Mehrfamilienhäusern.

CDU und Wohnungswirtschaft kritisieren Solarpflicht heftig

In Hamburg kritisieren CDU-Opposition und Wohnungswirtschaft die Pläne heftig. Es sei „grundverkehrt“, dass der Senat auf Zwang setze, statt auf Anreize wie eine Solarförderung, hieß es laut Hamburger Abendblatt aus der Landes-CDU in der Bürgerschaft. Zudem werde diese Maßnahme für steigende Baukosten und höhere Mieten sorgen. Die FDP-Bürgerschaftsabgeordnete Anna von Treuenfels-Frowein sagte: „Für die Bürger ist jetzt schon klar: Das Wohnen wird teurer.“

Grünen-Fraktionschef Anjes Tjarks argumentierte gemäß dem Bericht ähnlich wie seine Berliner Kollegin: „Von den 8000 Windrädern, die es in Norddeutschland gibt, stehen 80 bei uns, weil Hamburg nicht der geeigneteste Windstandort ist. Deswegen müssen wir für die Produktion von erneuerbarem Strom unsere Dächer nutzen.“

Kritik an den Hamburger Solar-Plänen für Neubauten kommt auch aus der Wissenschaft. Grischa Perino, Professor für Umweltökonomie an der Universität Hamburg, sagte dem Hamburger Abendblatt in einem Interview: “Ich wäre vorsichtig damit, den Bürgern für Klimaschutzmaßnahmen eine bestimmte Technologie vorzuschreiben. Das kann schiefgehen (…). Hamburg ist nicht unbedingt für viele Sonnenstunden bekannt. In etlichen Fällen mag eine Solaranlage zur Stromerzeugung sinnvoll sein, aber längst nicht überall. Es gibt etliche Standorte, wo man für das gleiche Geld mit anderen Maßnahmen mehr Klimaschutz erreichen kann.”

Genau in dieselbe Kerbe schlagen die wohnungswirtschaftlichen Verbände der Hansestadt: „Anstatt starrer Regulatorik benötigen wir Innovationsspielräume, die zum Beispiel den Aufbau einer dezentralen Energieerzeugung, Quartiersmodelle oder Konzepte für E-Mobilität ermöglichen. Eine technologie-offene Umsetzung der Klimaschutzvorgaben ist in unseren Augen wesentlich zielführender“, lautet das Fazit in einer gemeinsamen Stellungnahme von BFW Landesverband Nord, Grundeigentümer-Verband Hamburg sowie IVD Nord.

Google Bewertung

Proven Expert Bewertung

Foto: hansenn/istockphoto.com

Scroll to Top